New Work: Kritik an Arbeit 4.0

„New Work“ – „Arbeit 4.0“ – „Neues Arbeiten“: All diese modernen Begriffe bezeichnen die Arbeitswelt der Zukunft. Doch was soll das eigentlich heißen? Dass wir bald arbeiten, wann und wo wir wollen und dabei alle Freiheiten genießen – inklusive dem Kicker im Büro, dem Hund unterm Schreibtisch und/oder mit dem Laptop in der Hängematte?

Kritik an New Work

Die Arbeitswelt 4.0 ist ein echtes Trendthema. Auch wir haben uns in unserem Blog schon mit „New Work“ beschäftigt. Neben vielen positiven Aspekten, die mit den neuen Vorstellungen einhergehen, ist aber auch eine kritische Betrachtung der Thematik notwendig. Im Folgenden wollen wir uns deshalb damit beschäftigen, welche Punkte in der Debatte um das neue Arbeiten kritikwürdig sind.

Arbeit 4.0 – ein alter Hut mit neuem Anstrich?

Klarer Fall: Unter dem Einfluss der Digitalisierung wandelt sich die Art und Weise, wie heutzutage gearbeitet werden kann. Dank Smartphone und Tablet sind alle bestens ausgerüstet, um von neuen Arbeitsformen zu profitieren. Aber Digitalisierung ist nicht alles, denn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben im Zuge der Modernisierung neue Anforderungen für sich entdeckt. Sie wollen selbstbestimmter arbeiten, ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur sein, mehr Spaß im Job haben.

Obwohl die Arbeitswelt sich stetig verändert, ist die Arbeit 4.0 ist im Grunde nichts Neues – sie wird uns nur schöner verkauft, als sie ist. Die Idee, die sich hinter „New Work“ verbirgt, ist nämlich gar nicht so neu. Der Philosoph Frithjof Bergmann gilt als Begründer der „New Work“-Bewegung und hat den Begriff bereits in den 1980er-Jahren geprägt. Er war der Meinung, dass Arbeiten kein langweiliger „Nine-to-Five-Job“ sein dürfe, sondern sinnstiftend sein muss. Die trendige Welt aus Personalern, Beratern und Coaches wärmt somit eine mehr als 30 Jahre alte Idee wieder auf.

Viele Kenner des Marktes halten deshalb nicht viel von dem Mode-Arbeitsbegriff: Sie kritisieren eher, dass viele neue Trends bei der Arbeit 4.0 gerade nicht dabei seien. Und die IT-Vernetzung wurde beispielsweise auch schon in den 1980er-Jahren thematisiert. Nach wie vor geht es hier um Produktionstiefe, Lean-Management, Verschlankung und Auslagerung. Und wie war es doch gleich bei der guten alten „Tele-Arbeit“? Sie wurde mit dem Ziel der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben eingeführt und so stattete man Tele-Mitarbeiter damals mit PCs, Faxgeräten und Festnetz-Telefonanschlüssen zu Hause entsprechend aus. Mittlerweile nennt es sich „Home-Office“ und die Vereinbarkeit wird als „Work-Life-Balance“ betitelt.

Welche Änderungen sind real, was ist heiße Luft?

Trotzdem heißt es immer und überall, dass sich unsere Arbeitswelt in einem rasanten Wandel befindet. In Unternehmen, Medien und auch in der Politik wird daher heiß darüber diskutiert, wie wir in Zukunft arbeiten wollen. Und in vielen Bereichen kommt es auch tatsächlich zu Veränderungen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer streben nach Selbstverwirklichung im Beruf. Richtig ist beim Thema „New Work“, dass technische Innovationen unsere Arbeit sehr viel schneller und teilweise auch leichter (oft aber auch schwerer!) machen. Mit den Buzzwords „flache Hierarchien“ und „Flexibilität“ besprechen wir beispielhaft zwei Aspekte der „Arbeit 4.0“, die stark in der Kritik stehen, aber auch in den Himmel gelobt werden.

Flache Hierarchien?

Flache Hierarchien – das hört sich gut an. Es handelt sich um einen absoluten Modebegriff, der vor allem durch die junge Generation eingefordert wird. Was genau das allerdings heißt, das bleibt oft unbeantwortet. „Flache Hierarchien“ sind ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht auf schicke Wörter ankommt, sondern darauf, wie man diese füllt. Bedeutet dies, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich unabhängig von ihrer Position einbringen dürfen und sollen, ihre Meinung zählt und von den Vorgesetzten gehört wird? Dann sind flache Hierarchien das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Bedeutet „flache Hierarchien“ aber vor allem, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es am Ende alleine ausbaden müssen, wenn Prozesse schieflaufen und Fehler gemacht werden, handelt es sich eigentlich nur um eine nette Beschreibung für eine Arbeitskultur, die am Ende nicht sehr arbeitnehmerfreundlich ist. Von daher brauchen „neue“ Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eben auch neue Vorgesetzte, die zukunftsorientiert handeln und einen neuen Führungsstil verkörpern.

Flexibilität durch Mobilität?

Als Vorteil der Digitalisierung, die „New Work“ erst möglich macht, wird oft eine steigende Flexibilisierung genannt. Diese neue Flexibilität durch das mobile Arbeiten fordern besonders junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt ein. Dank Smartphone, cloudbasiertem Arbeiten, beruflichen Netzwerken und Webkonferenzen sind wir immer gut erreichbar. Allerdings verschwimmt dadurch auch die Grenze zwischen Beruf und Privatleben. Aufgrund von ständiger Erreichbarkeit („always on“) fehlt Zeit zum Abschalten, was wiederum den psychischen Druck erhöht und negative Folgen für die Gesundheit haben kann. Vor allem das viel beschworene „Home Office“ hat deutliche Schattenseiten.

Beim Medienverhalten am Arbeitsplatz gilt, dass uns die Geräte, die wir nutzen, deutlich produktiver werden lassen. Insofern kann man schneller kommunizieren oder auch Dinge vergleichen. Jedoch gibt es einen Scheitelpunkt, ab dem eine zu intensive Nutzung in Unproduktivität umkippt. Soll heißen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden zu oft unterbrochen, das konzentrierte Arbeiten leidet.

Mit der Flexibilität, die durch die Digitalisierung tatsächlich erhöht wird, ist es daher wie mit den flachen Hierarchien: Es kommt darauf an, wie die Möglichkeiten gelebt werden. Digitalisierung kann den Arbeitsalltag unheimlich erleichtern, zum Beispiel, wenn wichtige Fragen auf der Dienstreise noch im Zug recherchiert werden können. Sie kann aber auch das Stresslevel deutlich erhöhen, wenn abends um 21.00 Uhr noch Mails beantwortet werden sollen.

Was dagegen hilft? Auf Arbeitnehmerseite jede Menge Selbstdisziplin und Selbstmanagement – dann kann es klappen. Arbeitgeber müssen ebenfalls verantwortungsvoll handeln und Regeln für das neue Arbeiten aufstellen.

Trotz Kritik: New Work ist eine Chance

Unternehmen, die auf den „New Work“-Trend setzen, sollten natürlich halten, was sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern versprechen. Aber egal, ob gemütliche Massagesessel, frische Smoothies, Feelgood-Manager oder hippe Bürolandschaften sie anlocken – im Zentrum all dieser Modernisierungen ist und bleibt natürlich der Mensch. Verantwortungsvolle Vorgesetzte, die sich für ihre Kolleginnen und Kollegen einsetzen, können nicht durch „flache Hierarchien“ ersetzt werden, in denen alle auf sich alleine gestellt sind. Ein Obstkorb gleicht keine Überlastung aus. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist in erster Linie wichtig, dass die Versprechungen der Arbeit 4.0 zum einen nicht nur heiße Luft sind und zum anderen nicht dazu dienen, schlechte Arbeitsbedingungen zu kaschieren. Dann sind die Gedanken von New Work trotz Kritik eine wertvolle Bereicherung.

 

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